Von Früchten, die zu Gänsen werden…

In der Cosmographia von 1544 hält Münster fest: ‚In Schottland findt man baum die bringen laubechtig knöpff / und wann es zeit ist das sie herab fallen / und kommen in das wasser / werden lebendig Vögel daruss /die man baüm genss nempt.‘ (1544, S. 40)

In der Ausgabe von 1545 wird diese Erscheinung mit der Nennung einer Quelle (Saxo Grammaticus) und einer genaueren Ortsangabe (Orkney Inseln) bekräftigt: ‚In Schottland findt man bäum die bringen laubechtig knöpff / unn wan es zeit ist das sie herab fallen / und kommen in das wasser / werden lebendig vögel darauss / die man bäüm genss nempt. Man findt ir gewechss oder zucht auch in 8 inseln Pomonia nit fern von Schottland gegen mitnacht im möre gelegen. Es schreiben die alten Cosmographen / als nemlich Saxo Grammaticus auch vonn disen bäümgensen / das du nit gedenckest es sey eintant von den neüwen erdichtet.‘ (1545, S. 45)
Trotz der merkwürdigen Entstehung einer Baumgans, erachten Jacob und Wilhelm Grimm den ‚Entenbaum‘ als angemessenen Begriff für ihr Deutsches Wörterbuch von 1854. Dort heisst es: ‚Entenbaum, m. anatifera arbor: nach erzählung der alten ein am meeresufer auf den Orkaden wachsender baum, aus dessen muschelartig gestalteten, weiszglänzenden früchten, wenn sie ab und ins wasser fallen, kleine enten schlüpfen, die im winter auf dem eise gefangen und gegessen werden.‘

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Bild: Cosmographia, 1544, S.40
Texte: Cosmographia, 1544 Universitätsbibliothek Basel, EU I 55
Cosmographia 1545, UB Düsseldorf, online