muenster titelDie Bezeichnung Cosmographia stammt aus gr. kosmographía (Weltbeschreibung), von kósmos (Welt) und gráphein (beschreiben). Solche Werke bemühen sich um die Zusammenfassung des gesamten Wisensstandes von Geographie, Geschichte, Astronomie und andere Naturwissenschaften sowie Landes- und Volkskunde. Die vom bekannten Hebraisten Sebastian Münster geschaffene Kosmografie ist die erste wissenschaftliche Beschreibung der Welt in deutscher Sprache und ausserdem eines der grössten Ereignisse in der Geschichte des Verlagswesens. Neben der Bibel war sie das am meisten gelesene Buch ihrer Zeit, sie bescherte dem Henric Petri-Verlag (heute Schwabe) ultimativen, langanhaltenden Erfolg. Insgesamt gab es über 45 Auflagen in Deutsch, Italienisch, Französisch, Latein, Englisch und Tschechisch. Henric Petri/Schwabe gilt als der älteste Verlag der Welt und wurde durch die Zusammenarbeit mit Sebastian Münster einer der führenden Drucker von Karten- und Stadtansichten. Die erste gedruckte Stadtkarte überhaupt ist hier entstanden.

Über 120 Mitarbeitende waren an der Erstellung dieser Kosmografie beteiligt: Historiker, Geografen, Kartografen, Seereisende etc. liefern Berichte, Karten etc. Zeichner, Holzschneider und Stecher erstellen Vorlagen und Druckplatten für die zahlreichen Karten und Abbildungen. Aber auch literarische Quellen werden ausgewertet, so dass für heutige Begriffe fiktive Welten Eingang finden: In einigen Holzschnitten werden z. B. Fabelwesen dargestellt. Münster selbst sammelt, gibt in Auftrag, wählt aus und verbessert, zeichnet Karten nach fremden Angaben, unternimmt aber auch selbst zahlreiche Reisen. Das so entstandene umfangreiche Bild- und Kartenmaterial wird in vielen anderen Druckwerken wiederverwedet (so z. B. in der Basler Chronik von Christian Wurstissen 1580).

Erstausgabe

Schon 1524 hat Münster mit Vorbereitungen der Kosmografie begonnen In Verbindung mit einer 1540 gedruckten Geographica), kann seinen Traum aber erst verwirklichen, als er 1529 eine feste Hochschultätigkeit in Basel aufnimmt und daraufhin 1530 die Verlegerwitwe Anna Petri heiratet.

Die Erstausgabe der Cosmographia (1544) hatte 660 Seiten und ca. 600 Textbilder. Der Name ist Programm; der vollständige Titel lautet: „Cosmographia. Beschreibung aller Lender durch Sebastianum Munsterum, in welcher begriffen Aller Völcker, Herrschafften, Stetten und namhafftiger flecken, herkommen: Sitten, gebreüch, ordnung, glauben, secten und hantierung, durch die gantze welt, und fürnemlich Teutscher nation. Was auch besunders in iedem landt gefunden, unnd darin beschehen sey. Alles mit figuren und schönen landt taflen erklert, und für augen gestelt“. Sie ist in sechs Bücher unterteilt: 1. Grundzüge Erdkunde allg.; 2. Süd- u. Westeuropa; 3. Deutschland; 4. Nord- u. Osteuropa; 5. Asien u. Inseln; 6. Afrika.

Da bereits 1541 Münsters Illustrator Conrad Schnitt an der Pest gestorben ist, sind die llustrationen uneinheitlich. Ausserdem entsprechen Illustrationen und Städtebilder weitgehend nicht der Realität. So wird oft derselbe Holzschnitt für mehrere verschiedene Städte verwendet (nach dem Prinzip “Stadt mit Fluss” bzw. “Stadt ohne Fluss”).

Highlights im Leben der Cosmographia

1545: …“Weiter ist diese Cosmographei durch gemelten Sebast. Munst. Allenthalben fast seer gemeret und gebessert, auch mit eim zugelegten Register vil breülicher gemacht“. Neu ca. 700 Textbilder. Die Städtedarstellungen (z. B. Basels) sind etwas realistischer.

1550 erfolgt für die dritte Auflage eine grosse Umarbeitung und Erweiterung des Textes. Neue Illustrationen, Karten und Pläne werden verwendet, denn es gibt gleichzeitig zur 5. deutschen die erste wissenschaftliche lateinische Ausgabe (Cosmographiae universalis). Bis dahin sind speziell die Städtebilder oft sehr willkürlich gemischt zwischen Fantasiegebilde und (was viel seltener vorkommt) Abbildung der Wirklichkeit. Dies versucht S.M. mit dieser Ausgabe zu verbessern, er sammelt schon seit der Erstausgabe Material. Die Auflage von 1550 hat neu ca. 955 Textholzschnitte und ein Portrait Münsters auf der Titelrückseite. Die deutsche Fassung ist König Gustaff von Schweden gewidmet, die lateinische Kaiser Karl V.

Ab 1550 wechselt auch der Haupttitel der deuschen Ausgabe von Latein zu Deutsch; sie heisst fortan Cosmographei/y. Ausserdem wird seither immer eine Mitteilung mitgedruckt: „An den Buochbinder. Die stett oder andere grossen figuren so uberzwerch von einer columnen zuo der anderen sich erstrecken / sollen eingebunden werden wie andere ladttaflen / darumb sie auch alwegen das mittel des quatern oder trittern inhaben / oder ston allein wie die zal und signatur auswyssen“ . Ausserdem gibt es in der lat. Ausgabe ein Quellenverzeichnis. 1552 stirbt Sebastian Münster überraschend plötzlich an der Pest. Die Kosmografie wird aber weitergeführt.

Ab 1567 wird eine Ergänzungsliste mitgedruckt, auf der bei jeder Neubearbeitung zu sehen ist, was neu dazugekommen ist: „anzeig was mehrung in dieser neüwen edition hie zu gekommen“.

Von der Auflage 1572/73 sind noch 2 erhaltene Ausgaben erhalten: eine in Venedig, eine in Basel. Hier kann man Streichungen von kirchen-unkompatiblen Stellen sehen. Das Venediger Exemplar wurde seinerzeit trotz Streichungen von der Inquisition konfisziert. Die Basler Ausgabe gehörte einem entweder übereifrigen oder sehr ängstlichen Besitzer: trotz bereits nach Vorschrift erfolgter Zensur und Purgierung durch das Druckhaus hat dieser noch zusätzlich selbst einige Stellen unkenntlich gemacht, z. B. alle Stellen über S.M. und dessen Portrait.

1614 ist die deutsche Cosmographey um 100 Seiten gewachsen und nunmehr in acht Bücher unterteilt. Die Überarbetiung stammt von Johann Jakob Grasser, da Münster seit 1552 tot ist.

Letzte Ausgabe

Die Informationen der Kosmografie sind in der letzten Ausgabe von 1628 auf 1’752 Seiten und 1‘465 Textholzschnitte angewachsen, die nunmehr in neun Bücher unterteilt werden – das neunte Buch ist nun Amerika gewidmet. Sie trägt den gleichen Titel wie die Erstausgabe, jedoch mit dem Zusatz „…Sonderlich aber [mit] Einer vollkommnen Beschreibung der unbekandten Laender Asiae, Africae, Americae, so viel darvon durch allerhandt Reysen und Schiffarten, bisz auff dieses 1628. Jahr kundt gemacht worden…“. Ausserdem hat diese Kosmografie einen Vortitel, der erwähnt, dass die Auflage neu editiert ist und „in Richtigere Ordnung gebracht“.